Metzeler Reifentest 2020

Servus allerseits, 

Hier wie versprochen der Bericht zu meinem Metzeler Reifentest von unserer Spanien Rundreise (Jerez / Valencia):

„Zum Ende des Jahres 2019 testete ich für insgesamt 8 Tage die K1 und K2 Slicks in den Dimensionen 120/70-17 und 200/60-17 vom Hersteller Metzeler auf den Rennstrecken im spanischen Jerez und in Valencia. 

Im Vorfeld des Tests habe ich über Facebook eine Umfrage geschaltet, um herauszufinden, welche Aspekte euch wichtig sind, auf was ihr Wert bei der Reifenwahl legt und welche Fragen ihr gerne beantwortet haben möchtet.

Am Vorderrad war mir der der K1 schon sehr bekannt, da wir 2019 im Reinoldus Langstreckencup das ganze Jahr erfolgreich auf diesem Vorderreifen unterwegs waren. Egal ob es 5 Grad Asphalt waren oder über 60 Grad, Der K1 lieferte auch unter extremen Bedingungen ein sehr sauberes Feedback, und vermittelt einem das Gefühl, dass man immer weiß wo der Grenzbereich ist. Der Reifen macht sich sehr gutmütig bemerkbar, wenn er sich der Haftungsgrenze nähert und fängt beim Reinbremsen zum Scheitelpunkt an etwas zu schieben. Sprich er hält dann nicht mehr exakt die Linienführung und beginnt auf eine sanfte Art und Weise leicht zu untersteuern, sodass man genau weiß: „Okay, jetzt sind wir an der Grenze angekommen“. 
Durch die weiche Gummimischung funktioniert er auch bei niedrigen Temperaturen sehr gut, und lässt sich toll durch verschiedenste Kurvenkombinationen steuern. Mit einem Luftdruck von 2,2-2,4 bar und entsprechender Betriebstemperatur hatten wir ein sehr schönes Arbeitsfenster, in dem der Reifen sich wohlfühlt. Die Haltbarkeit ist enorm. Ich glaube wir haben den Reifen immer rein aus Gefühl früher gewechselt, als wir ihn hätten wechseln müssen. Im Grunde genommen, hält der Vorderreifen ewig, wenn man ihn nach jedem Turn direkt immer wieder mit Heizdecken verpackt, sodass er von morgens bis abends permanent auf Temperatur bleibt. 
Lässt man ihn dann abends nach dem Fahren mit dem Ausschalten der Heizdecken sanft abkühlen, kann man ihn auch sicher einen kompletten zweiten Trackday fahren. Diese Aussage aber bitte nicht pauschalisieren, denn natürlich kommt es auch aufs Reifenbild und die Verschleißmarker am Reifen an. Dabei sind unterschiedliche Faktoren wie z.B. die Fahrwerksabstimmung, der individuelle Fahrstil oder auch die Beschaffenheit des Asphalts relevant.
Klettern die Asphalttemperaturen über die 30 Grad Marke hinaus, ist der K2 Vorderreifen meines Erachtens nach die bessere Wahl. Das ist wohl auch ein wenig Geschmacksache, denn der K2 Vorderreifen hat bei gleicher Karkasse, eine etwas härtere Gummimischung, die beim harten Reinbremsen in die Kurve erst eine ganze Weile später beginnt zu „schmieren“, also zu untersteuern. Das verschafft einem auch bei förmlich glühendem Asphalt ein sehr vertrautes Gefühl, denn der Reifen hält selbst am Ende eines kompletten Fahrtags und nach unzähligen Runden, noch messerscharf die gewünschte Linie. Was mir generell bei den Metzeler Vorderreifen sehr gut gefällt ist, dass diese durch die hohe Eigendämpfung und die runde Karkasse sehr gutmütig auf die verschiedenen Fahrwerks- Setups reagieren. So bietet der Reifen auch wenn das Fahrwerk mal nicht auf den Punkt abgestimmt ist, oder man eine etwas härtere, bzw. weichere Abstimmung fährt, immer eine gute Kommunikation und reagiert unempfindlich. Grundsätzlich ein haltbarer Reifen mit sehr gutem Feedback. Gefällt mir prima!

Am Hinterrad testeten wir, wie bereits oben angesprochen die Mischungen K1 und K2 auf Herz und Nieren. Ich simulierte Longruns, Sprints, Qualis, einrollen, ausrollen – also so ziemlich jede Situation die man auf einer Rennstrecke bei verschiedensten Asphalttemperaturen haben kann.
Anfangen möchte ich mit dem K2 Slick, der mich sehr sehr positiv überrascht hat. Dieser stellt wirklich ein „Gesamtpaket für den Hobbyracer“ dar, denn der K2 Hinterrad-Slick hält gefühlt ewig. 
Unfassbar, was dieser Reifen alles wegsteckt und dabei immer aussieht wie frisch vom Friseur. Sogar gewaschen, gekämmt und mit Kopfmassage *grins*. Der K2 ist für mich die „eierlegende Wollmilchsau“. Unbeeindruckt von Asphalttemperaturen spult er fleißig Runde für Runde mit ziemlich gleichbleibender Performance. Man verspürt bei dem neuen Reifen nach einigen Runden einen „Drop“, bei dem das Level an Performance geringfügig nachlässt und ein sehr beherrschbaren Wheelspin einsetzt, der kontrollierbare „Slides“ begünstigt. Aber genau dieses Level hält er dann den ganzen Tag. Für die schnellste Runde im Quali ist der K2 definitiv nicht die richtige Wahl, aber wer einen unkomplizierten Reifen sucht, der zudem sehr viel Spaß macht und der den Aufwand des ständigen Reifenwechselns reduziert, der ist mit dem K2 wunderbar ausgestattet.
Der K1-Hinterrad Slick hat sehr ähnliche Eigenschaften nur auf einem schnelleren Rundenzeiten-Niveau mit weniger Bewegungen am Heck. Ab der ersten Runde fühlt man sich wie Zuhause mit dem Reifen und man baut sehr schnell Vertrauen auf, da der Reifen permanentes Feedback liefert und nicht mit wilden Highsidern überrascht. Ein angenehmes Übersteuern durch Wheelspin kündigt auch hier den Bereich an, bei dem man etwas vorsichtiger das Spaßbarometer nutzen sollte. Nach kurzer Wartephase kann dann, sobald der Gefahrenbereich überwunden ist, nahezu bedenkenlos mit dem Gashahn auf 100 % Lautstärke gestellt werden. 
Der K1 ist etwas anfälliger im Verschleiß als der K2, was aber ganz normal ist, da das Gummi weicher ist, dir dadurch mehr Grip bietet und somit schnellere Rundenzeiten beschert. Ein toller Reifen um an der Rennabstimmung zu arbeiten und um sich an seine persönliche Grenzen der Rundenzeiten heranzutasten. Perfekt, wenn man sich auf der Strecke eingegroovt hat und bevor man fürs Rennen den Joker für die Renndistanz zieht. Für diesen Fall kann man dann voller Vorfreude den K0-Slick aus der Überraschungskiste holen… spätestens dann kann man kaum abwarten, dass das Rennen endlich losgeht.
Die Hinterreifen sind wir betriebswarm mit 1,55-1,65 bar Luftdruck gefahren.
Auch hier gilt, dass die Reifen durch die hohe Eigendämpfung sehr unempfindlich gegenüber verschiedener Fahrwerksabstimmungen sind. Daher hat man schnell sehr viel Fahrspaß und ein tolles Feedback. Auch dank der sehr attraktiven Preise, sind die Slicks der Firma Metzeler für mich eine erstklassige Wahl, die ich bedenkenlos weiterempfehlen kann.
Im RL-Cup in der Saison 2019 haben wir in der Endurance-Klasse mit Metzelerbereifung den Meistertitel errungen. Viele Spitzenfahrer wie z.B. auch mein Kumpel Horst Saiger schwören bereits seit Jahren auf die Marke Metzeler und fahren damit tolle Ergebnisse ein.

Kleiner Tipp:
Ich empfehle euch generell (egal welcher Reifen) vor der Fahrt mindestens 60-70 Minuten Reifenwärmer aufzuziehen mit 80-100 Grad vorzuwärmen. So wird der Reifen und auch die Felge optimal vorgewärmt. Der Luftdruck vor dem Losfahren ist zudem maßgeblich abhängig von der Apshalt-Temperatur und unterscheidet sich daher in der Regel mit dem Luftdruck, den ihr betriebswarm und während der Fahrt haben sollt. Daher ist es wichtig, direkt nach dem Turn den Luftdruck prüfen, um die Vorher-Nacher Werte anpassen zu können.

Vielen Dank an Frank Facher & das gesamte Team von Metzeler für das Vertrauen, das ihr mir entgegenbringt und dafür, dass ich euer Produkt testen durfte. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht!“ 

Liebe Grüße

Fifty